24.09.2021

Nahrungsergänzung im Blick:Thiamin

Thiamin, auch Vitamin B1 genannt, ist ein wahrer Alleskönner: Es sorgt dafür, dass das Nervensystem, der Energiestoffwechsel und auch das Herz fehlerfrei funktionieren. Doch was ist nötig, um die Versorgung mit dem wichtigen Vitamin sicherzustellen?... [ mehr lesen ]

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24.09.2021

Nahrungsergänzung im Blick:Thiamin

Thiamin, auch Vitamin B1 genannt, ist ein wahrer Alleskönner: Es sorgt dafür, dass das Nervensystem, der Energiestoffwechsel und auch das Herz fehlerfrei funktionieren. Doch was ist nötig, um die Versorgung mit dem wichtigen Vitamin sicherzustellen?

In fast allen Lebensmittel enthalten

Thiamin gehört zu den Vitaminen, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Stattdessen wird es mit der Nahrung aufgenommen. Glücklicherweise ist Thiamin in fast allen Nahrungsmitteln enthalten. Um eine ausreichende Thiamin-Aufnahme müssen sich deshalb nur die wenigsten Menschen sorgen machen. Besonders viel ist in Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten oder auch mageren Schweinefleisch zu finden.

Vorsicht bei hohem Alkoholkonsum

Anders sieht es bei Menschen mit hohem Alkoholkonsum, Mangelernährung oder chronischen Magen-Darm-Erkrankungen aus. Weil sie oft weniger Thiamin über die Nahrung aufnehmen und es schlechter verwerten können, sind sie häufig von einem Thiamin-Mangel betroffen. Betroffene bemerken zunächst nur Müdigkeit und Kopfschmerzen. Bei einem sehr ausgeprägten Mangel kommt es zu der Beriberi-Krankheit, bei der das Herz und das Nervensystem geschädigt werden. Die Folge sind Atemnot, Herzklopfen, Muskelschwäche, Verwirrung und Psychosen.

Nahrungsergänzungsmittel nur in Ausnahmefällen

Wer an diesen Symptomen leidet, sollte dringend die Hausärzt*in um Rat fragen. Um den Mangel auszugleichen, ist dann ein Nahrungsergänzungsmittel mit Thiamin sinnvoll. Für Gesunde hat die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Thiamin nach bisherigem Wissensstand jedoch keine Vorteile. Die überschüssige Menge wird entweder gar nicht aus dem Darm aufgenommen oder über den Urin wieder ausgeschieden.

In einigen Studien wurden Hinweise gefunden, dass Thiamin bei Diabetes mellitus oder Alzheimer hilft. Ob das jedoch tatsächlich der Fall ist, muss von Wissenschaftler*innen noch untersucht werden. Aktuell wird der Einsatz des Nahrungsergänzungsmitteln bei diesen Erkrankungen deshalb nicht empfohlen.

Quellen: Verbraucherzentrale; Elmadfa und Leitzmann: Ernährung des Menschen, 6. Auflage, utb, 2019; DGE FAQ und Referenzwerte

23.09.2021

Fieberthermometer unter der Lupe

Fieber lässt sich heute auf vielerlei Arten messen: Im Ohr, an der Stirn, im Po oder im Mund – und sogar ganz kontaktlos. Ob eine Methode besser ist als andere und welche Thermometer am zuverlässigsten messen, hat nun Stiftung Warentest geprüft.... [ mehr lesen ]

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23.09.2021

Fieberthermometer unter der Lupe

Fieber lässt sich heute auf vielerlei Arten messen: Im Ohr, an der Stirn, im Po oder im Mund – und sogar ganz kontaktlos. Ob eine Methode besser ist als andere und welche Thermometer am zuverlässigsten messen, hat nun Stiftung Warentest geprüft.

20 Thermometer im Praxistest

Acht digitale Stabthermometer, sechs Ohr- bzw. kombinierte Ohr-Stirn-Thermometer und sechs kontaktlose Infrarotmodelle hat Stiftung Warentest unter die Lupe genommen. Weil den Prüfer*innen die Handhabung und die Messgenauigkeit unter normalen Alltagsbedingungen wichtig war, ließen sie mit jedem Thermometer verschiedene Vergleichsmessungen durchführen. So maßen zehn Erwachsene sowohl ihre eigene Körpertemperatur als auch die von zehn Kindern. Zur Kontrolle bestimmten zusätzlich noch Fachkräfte die Temperaturen mit den Testthermometern.

Stabthermometer: einfach, billig, gut

Mit den Stabthermometern wurde im Mund gemessen. In puncto Messgenauigkeit und Handhabung bekamen alle ein „sehr gut“ oder „gut“. Neben der Messgenauigkeit gibt es weitere Vorteile: Stabthermometer sind leicht zu reinigen und günstig. Ein gutes Fieberthermometer gibt es laut Stiftung Warentest schon für 6 Euro. Einen kleinen Malus haben einige Stabthermometer trotzdem: Sie enthalten allergieauslösendes Nickel in der Messspitze. Auf Nachforschung von Stiftung Warentest können Expert*innen jedoch entwarnen. Die Kontaktzeit mit der Messspitze sei selbst für Nickelallergiker*innen zu kurz, um gesundheitsgefährdend zu sein.

Ohrthermometer: schneller, aber teurer

Ohr- und Stirnthermometer zeigen das Messergebnis schneller als die Stabthermomter (2 bis 4 Sekunden vs. 15 Sekunden). Dafür sind gute Messgeräte mit mindesten 26 Euro Kosten deutlich teurer. Was Handhabung und Messgenauigkeit betrifft, unterscheiden sich die getesteten Geräte. Thermoscan 6 von Braun bekam ein „gut“ in Handhabung und Messgenauigkeit. Andere Geräte lieferten widersprüchliche Ergebnisse in den Vergleichstests. Auch zwei Kombigeräte für Stirn und Ohr bewertete Stiftung Warentest im Gesamturteil mit „gut“ (Medisana und Reer). Bei anderen ließ sich dagegen die Messgenauigkeit nicht bestimmen.

Kontaktlos häufig ungenauer

Kontaktlose Thermometer messen die ausgestrahlte Infrarotstrahlung an der Stirn ohne direkt auf die Haut aufgesetzt zu werden. Sie schnitten im Durchschnitt schlechter ab als die Stabthermometer oder Ohr/Stirnthermometer. Nur ein Gerät erhielt bei Messgenauigkeit und Handhabung in der Praxis ein „gut“ (Easypix-Thermogun). Die anderen getesteten Kontaktlosen wurden nur als „befriedigend“ oder „ausreichend“ bewertet.

Messfehler vermeiden!

Das beste Thermometer bringt jedoch wenig, wenn es falsch angewendet wird. Deshalb ist für jedes Gerät die Gebrauchsanweisung gründlich zu studieren. Zusätzlich gibt Stiftung Warentest diese Tipps fürs Messen:

  • Akklimatisieren! Nach anstrengendem Sport oder Aufenthalt in der Kälte vor dem Messen eine halbe Stunde bei Raumtemperatur akklimatisieren.
  • Messen im Po. Goldstandard für die Messung mit dem Stabthermometer ist die Messung im Po. Dafür sollte die Thermometerspitze mit einer fetthaltigen Creme bestrichen und etwa ein bis zwei Zentimeter eingeführt werden. Danach Hände und Thermometer gründlich mit einem Desinfektionsmittel reinigen.
  • Messen im Mund. Wird im Mund gemessen, ist darauf zu achten, dass das Thermometer hinten unter der Zunge positioniert wird. Damit die Temperatur stimmt, ist es wichtig, vorher nichts Kaltes oder Warmes zu essen.
  • Messen im Ohr. Für genaue Messwerte muss der Sensor die Wärmestrahlen des Trommelfells auffangen. Dafür muss der Gehörgang etwas „begradigt“ werden. Das lässt sich erreichen, indem man das Ohr leicht nach hinten oben zieht und dann den Sensor in den Gehörgang schiebt.
  • Messen an der Stirn. Ob kontaktlos oder mit Stirnthermometer, die Stirn muss für die Messung sauber und trocken sein. Schweiß und Schmutz beeinflussen die Infrarotstrahlung und damit das Messergebnis. Ein Stirnthermometer wird für die Messung direkt auf die Haut aufgelegt, kontaktlose Geräte mit einem Abstand von etwa 2 bis 3 Zentimeter entfernt gehalten.

Quellen: Stiftung Warentest, ptaheute

22.09.2021

Tipps für wunde Coronatest-Nasen

Vor allem für Nichtgeimpfte wird das Coronatesten so schnell nicht vorbei sein. Doch der häufige Abstrich strapaziert die Nase. Hier gibt es Tipps, wie man gestresste Nasenschleimhäute besänftigt und die Nase beim Testen schont.... [ mehr lesen ]

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22.09.2021

Tipps für wunde Coronatest-Nasen

Vor allem für Nichtgeimpfte wird das Coronatesten so schnell nicht vorbei sein. Doch der häufige Abstrich strapaziert die Nase. Hier gibt es Tipps, wie man gestresste Nasenschleimhäute besänftigt und die Nase beim Testen schont.

Kleineres Nasenloch wählen!

Um ein vernünftiges Testergebnis zu bekommen, muss man die Nasenschleimhaut korrekt abstreichen. Und das heißt: tief genug und lang genug. Dass das bei manchen Nasen zu Wundsein und Entzündungen führt, sieht der HNO-Arzt Bernhard Junge-Hülsing jeden Tag in seiner Praxis.

Für diejenigen, bei denen die Prozedur richtig schmerzhaft ist, hat er einen Tipp: Zur HNO-Ärzt*in gehen und sich in die Nase schauen lassen. Denn ist das Abstreichen sehr unangenehm, kann eine verkrümmte Nasenscheidewand dahinterstecken. Ist das so, sollte man immer die größere Seite wählen, also diejenige, in deren Richtung sich die Trennwand nicht verbiegt.

Meist ist das die Seite, deren Nasenloch kleiner ist. Auch ohne den Gang zur HNO-Ärzt*in ist es einen Versuch wert, am kleineren Nasenloch zu testen.Für Allergiker hat Junge-Hülsing einen weiteren Rat: Die Allergie konsequent mit den verordneten Präparaten (z. B. Kortisonspray, orale Antihistaminika) behandeln, um die Nase nicht zusätzlich zu stressen.

Nasensalbe nur ohne ätherische Öle

Ist die Nasenschleimhaut erst einmal wund, helfen Nasensalben und Nasenöle. Die sollten allerdings frei von ätherischen Ölen sein, da diese die wunde Nase zusätzlich reizen. Aufgrund ihres angenehmen Duftes sind ätherische Öle jedoch Bestandteil vieler Nasencremes. Beispiele sind Öle von Zitronen- oder Apfelsinenschalen, Bergamotte und Zirbelkiefer sowie Levomenthol und Cineol.

Um aromafrei die Nasenschleimhaut zu verwöhnen, bleiben nur wenige Präparate. Dazu gehören beispielsweise Bepanthen® Augen- und Nasensalbe und Hysan®Nasensalbe. Ebenfalls für wunde Coronanasen geeignet ist Nasale Nasenöl, es enthält nur fette Öle und Tocopherol.

Quelle: ptaheute

21.09.2021

Klimafreundliche Asthmasprays

Sind Asthmasprays klimaschädlich? Manche schon, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt. Doch es gibt auch klimafreundliche Systeme, mit denen sich eine Menge Kohlendioxid (CO2) einsparen lässt.... [ mehr lesen ]

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21.09.2021

Klimafreundliche Asthmasprays

Sind Asthmasprays klimaschädlich? Manche schon, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt. Doch es gibt auch klimafreundliche Systeme, mit denen sich eine Menge Kohlendioxid (CO2) einsparen lässt.

Auch FKW schadet dem Klima

Asthmasprays enthalten schon lange keine Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) mehr. Als deren Einsatz wegen ihrem schädigenden Einfluss auf die Ozonschicht verboten wurden, stiegen die Hersteller um auf Dosieraerosole mit Fluorkohlenstoff (FKW) und Pulverinhalatoren, die ganz ohne Treibgase auskommen.

Doch auch wenn FKW das Ozonloch nicht direkt angreifen, tragen sie dennoch zum Treibhauseffekt und zur Klimaerwärmung bei. Wie groß dieser Effekt ist, haben nun schwedische Forscher untersucht. Sie verglichen die CO2-Bilanz zweier Pulverinhalatoren mit der eines Dosieraerosols. Da viele Asthmatiker*innen zwei Asthmasprays benötigen (eines zur Dauertherapie und ein schnell wirksames Spray bei Bedarf), berechneten die Forscher*innen die Werte für eine übliche Standardtherapie. Zugrunde lagen die vom Hersteller GlaxoSmithKline evaluierten und vom Carbon Trust zertifizierten CO2-Äquivalente der Pulverinhalatoren Ellipta und Accuhaler und des Dosieraerosols Evohaler.

Über 400 kg CO2-Äquivalent im Jahr einsparen

Dabei kam heraus, dass die untersuchten Dosieraerosole eine bis zu 30fach schlechtere CO2-Bilanz haben als die Pulverinhalationssysteme. Nutzt die Asthmatiker*in sowohl zur Dauer- als auch zur Bedarfstherapie Pulverinhalationssysteme, produziert er damit etwa 17 kg CO2-Äquivalente. Die gleiche Therapie mit Dosieraerosolen kommt dagegen auf 439 kg CO2-Äquivalente.

Wer also von 2 FKW-Dosieraerosolen auf 2 Pulverinhalationssysteme wechselt, spart im Jahr etwa 420 kg CO2-Äquivalent ein. Also eine Menge, die dem Fleischverzicht einer Person für ein Jahr entspricht. Würde beispielsweise Großbritannien seinen Anteil der Dosieraerosole in der Asthmatherapie von derzeit 70% auf das schwedische Niveau von 13% senken, ließen sich jährlich 550 000 Tonnen CO2-Äquivalent einsparen.

Spraywechsel nur unter ärztlicher Aufsicht!

Ein Asthmaspray muss zuerst einmal der Patient*in Erleichterung bringen, das ist klar. Doch sollte bei der Wahl des Inhalationssystems durchaus auch der Klimaaspekt berücksichtig werden, meinen die schwedischen Forscher*innen. Wichtig ist aber: ein Systemwechsel darf nur nach ärztlichem Rat und mit gründlicher Anleitung erfolgen.

Quelle: Springer Medizin

20.09.2021

Verordnung auf Grünem Rezept

Arzneimittel, die nicht verschreibungspflichtig sind, werden von Ärzt*innen auf dem Grünen Rezept verordnet. Die Kosten trägt jedoch oft die Verbraucher*in. Unter bestimmten Bedinungen übernehmen viele gesetzliche Krankenkassen einen Teil der Kosten.... [ mehr lesen ]

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20.09.2021

Verordnung auf Grünem Rezept

Arzneimittel, die nicht verschreibungspflichtig sind, werden von Ärzt*innen auf dem Grünen Rezept verordnet. Die Kosten trägt jedoch oft die Verbraucher*in. Unter bestimmten Bedinungen übernehmen viele gesetzliche Krankenkassen einen Teil der Kosten.

Grünes Rezept hat viele Vorteilen

Fast die Hälfte aller Arzneimittel in Apotheken kaufen Kund*innnen ohne Rezept. Viele davon wurden jedoch auf einem Grünen Rezept zuvor von der Ärzt*in verordnet. Laut Apotheker Stefan Fink hat das Grüne Rezept viele Vorteile: „Einerseits ist das Grüne Rezept eine Empfehlung des Arztes und eine Merkhilfe für den Patienten. Andererseits kann es eine Kostenerstattung bei der Krankenkasse auslösen und als Belastungsnachweis in der Einkommensteuererklärung dienen.“

Informationen bei der Krankenkasse einholen

Viele Krankenkassen erstatten pflanzliche, homöopathische und anthroposophische Arzneimittel. Schwangere erhalten noch Arzneimittel mit Eisen, Magnesium und Folsäure. Allerdings hat jede Krankenkasse eigene Regeln für die Erstattung der Kosten. Funke weiß: "Oft gibt es eine Obergrenze von beispielsweise 100 Euro pro Jahr oder vom Versicherten wird ein Eigenanteil als Zuzahlung erwartet“. Verbraucher*innen informieren sich deshalb am besten vorher bei ihrer Krankenkasse über die Erstattung. 

Quelle: Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

18.09.2021

Kampf der Gürtelrose!

Mit Ausschlag, Kribbeln, Jucken und Schmerzen kann eine Gürtelrose ganz schön unangenehm werden. In jedem zehnten Fall drohen sogar langfristige Nervenschmerzen, die Schlaf und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Lesen Sie, wo die Gürtelrose herkommt, wie sich akute und chronische Beschwerden am besten behandeln lassen und wie man sich mit der Zosterimpfung schützt.... [ mehr lesen ]

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18.09.2021

Kampf der Gürtelrose!

Mit Ausschlag, Kribbeln, Jucken und Schmerzen kann eine Gürtelrose ganz schön unangenehm werden. In jedem zehnten Fall drohen sogar langfristige Nervenschmerzen, die Schlaf und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Lesen Sie, wo die Gürtelrose herkommt, wie sich akute und chronische Beschwerden am besten behandeln lassen und wie man sich mit der Zosterimpfung schützt.

Viren auf Wanderschaft

Plötzliche Schmerzen und ein roter, gürtelförmiger Ausschlag am Rumpf —die Symptome einer Gürtelrose sind leicht zu erkennen. Verantwortlich für den Spuk ist das Windpocken- oder Varizellenvirus (lateinisch Varizella-Zoster-Virus). Es gehört zu der Gruppe der Herpesviren, weshalb die Erkrankung medizinisch auch Herpes zoster genannt wird.

Das Varizellenvirus hat ganz besondere Eigenschaften. Infiziert man sich damit, erkrankt man zunächst an Windpocken. Nach dem Abheilen des juckenden Ausschlags verschwinden die Viren aber nicht. Stattdessen wandern sie in bestimmte Nervenzellen, die Ganglienzellen von Hirn- oder Spinalnerven. Dort lassen sie sich lebenslang nieder – in Schach gehalten vom körpereigenen Immunssystem. Schwächelt das Immunsystem, werden die Viren reaktiviert und befallen den Körper „von innen“ erneut. Geschwächt wird das Immunssystem z. B. durch

  • seelischen und körperlichen Stress
  • normale Alterungsprozesse
  • immunsuppressive Therapien, also Therapien die das Immunsystem gezielt unterdrücken (z. B. zur Behandlung von Krebs oder einer rheumatoiden Arthritis)
  • Immunerkrankungen, z.B. eine HIV-Infektion.

Manchmal tritt die Gürtelrose aber auch auf, ohne dass sich ein spezieller Grund dafür feststellen lässt.

Die typische Gürtelrose

Werden die Viren reaktiviert, wandern sie die Nervenfaser entlang in Richtung Körperoberfläche. Am häufigsten geschieht das im Bereich von Brustkorb und Rumpf. Auf der Haut lösen sie dann einen gürtelförmigen Ausschlag mit gleichförmigen Papeln und Bläschen auf rotem Grund aus. Zum charakteristischen Muster des Ausschlages kommt es, weil die Viren sich nicht frei, sondern entlang der Nervenfaser ausbreiten. Diese Nervenfasern sind wiederum gürtelförmig, also quer von der Wirbelsäule bis zur Vorderseite angeordnet. Der gürtelförmige Ausschlag ist so typisch, dass meist keine weitere Diagnostik erforderlich ist. Im Zweifel lassen sich die Viren aber auch durch Laboruntersuchungen von Blut oder Hirnflüssigkeit nachweisen.

Manchmal macht sich die Gürtelrose schon vor dem Hautausschlag durch Kribbeln oder Taubheitsgefühl bemerkbar. Ist sie voll erblüht, leiden die Erkrankten je nach Ausmaß unter

  • Fieber und starkem Krankheitsgefühl
  • Wundschmerzen im Bereich des Ausschlags
  • Nervenschmerzen im Bereich des befallenen Nervens, z. B. starke Missempfindungen (Ameisenlaufen, Juckreiz) und bohrende oder stechende Schmerzen.

Normalerweise heilt der Ausschlag innerhalb von zwei bis vier Wochen folgenlos aus. Bei jeder zehnten Patient*in dauern Schmerzen und Missempfindungen jedoch auch nach Abheilen des Hautausschlags an oder flackern nach einem beschwerdefreien Intervall wieder auf. In diesen Fällen spricht man von der Post-Zoster-Neuralgie. Deren Prognose ist nicht besonders gut: Bei einem Drittel der Betroffenen greift die Schmerztherapie nicht, und manche haben lebenslang mit den Beschwerden zu kämpfen (mehr dazu siehe unten).

Hinweis: Achtung, ansteckend! In den Bläschen des Ausschlags befinden sich massenweise Varizellenviren. Gürtelrose-Patient*innen können durch Schmierinfektionen andere infizieren. Ganz besonders gefährdet sind Schwangere, die noch keine Windpocken hatten. Bei einer Infektion kann das ungeborene Kind schwer geschädigt werden. Um jede Ansteckung zu vermeiden sollte der Ausschlag bis zum Abheilen gut abgedeckt (passende Pflaster dafür gibt es in der Apotheke) und der Kontakt zu Ungeimpften bzw. noch nicht an Windpocken Erkrankten vermieden werden.

Zoster in Ohr und Auge

Neben der typischen Gürtelrose gibt es auch andere Formen des Herpes zoster. Besonders unangenehm wird es, wenn die Varizellen in den Ganglienzellen der Hirnnerven sitzen und dort reaktiviert werden. Dann wandern sie die Nervenfasern entlang in Richtung Kopfhaut vor. Ist der Trigeminalnerv betroffen, kommt es zu einem Zoster ophthalmicus mit Ausschlag und Schmerzen im Bereich von Stirn, Nasenwurzel und Nasenrücken, meist begleitet von Fieber und einem starken Krankheitsgefühl. Es droht die Infektion des Auges mit Bindehautentzündung, Hornhautentzündung, Augenmuskellähmung und sogar der Gefahr der Erblindung. Ein Befall der Nerven, die für das Ohr zuständig sind, macht sich als Zoster oticus mit Ohrenschmerzen, Hörminderung, Schwindel und schmerzhafte Bläschen am Gehörgang bemerkbar.

Schwerste Formen des Herpes zoster sind der Befall des Gehirns (Zoster-Enzephalitis) oder die Ausbreitung der Varizellenviren über den gesamten Körper inklusive innerer Organe (Zoster generalisatus). Diese lebensbedrohlichen Varianten kommen bei Menschen vor, deren Immunsystem sehr geschwächt ist.

Hinweis: Eine weitere seltene Sonderform des Herpes zoster ist der „Zoster sine herpete“. Hier leiden die Betroffenen unter heftigen Schmerzen in einem Dermatom, es fehlt aber der typische bläschenförmige Ausschlag.

Wen kann es treffen?

Jeder, der einmal an Windpocken erkrankt war, beherbergt die Viren und kann Monate, Jahre oder Jahrzehnte später an einer Gürtelrose oder einer anderen Form des Herpes zoster erkranken. Allerdings steigt das Risiko mit dem Alter, weil das Immunsystem dann allgemein weniger gut arbeitet. Ab 50 ist jedoch nicht nur die Gefahr einer Virusreaktivierung erhöht. Auch die Schwere der Erkrankung nimmt zu.

Doch nicht nur durchgemachte Windpocken lassen eine Gürtelrose erblühen. Auch Menschen, die gegen Windpocken geimpft wurden, können an einem Herpes zoster erkranken. Denn das abgeschwächte Impfvirus zieht sich ebenso wie das „echte“ Virus in Ganglienzellen der Spinal- oder Hirnnerven zurück. Weil das Impfvirus sich jedoch weniger leicht reaktivieren lässt als sein natürlicher Verwandter tritt ein Zoster nach Impfung sehr selten auf. Und kommt es doch einmal dazu, verläuft die Erkrankung deutlich milder als der Herpes zoster durch das echte Virus.

Akut gegen Virus, Schmerz und Krusten

Die normale Gürtelrose ist zwar unangenehm, hat aber eine relativ gute Prognose. Etwa 70–80% der Fälle heilen mithilfe der passenden Therapie folgenlos aus. Diese ruht auf drei Säulen: Die Viren zu bekämpfen, Schmerzen und Juckreiz einzudämmen und das Abheilen der Bläschen zu fördern.

Antivirale Medikamente. Mit ihnen wird der Verlauf der Erkrankung abgemildert und die Ansteckungsgefahr reduziert. Deshalb wird auf die antivirale Therapie nur bei sehr leichten Verläufen darauf verzichtet. Zwingend erforderlich ist sie bei

  • Patient*innen über 50 Jahren
  • Zoster im Kopfbereich
  • stark ausgeprägtem Zoster, z. B. beim Befall mehrerer Dermatome am Rumpf
  • kompliziertem Verlauf
  • Immunschwäche.

Zum Einsatz kommen die Wirkstoffe Aciclovir, Valaciclovir, Famcicluvir und Brivudin. Je nach Präparat werden die antiviralen Medikamente drei- bis fünfmal täglich als Tabletten eingenommen. In schweren Fällen gibt man sie auch intravenös. Dies ist bei Zoster ophthalmicus oder Zoster oticus der Fall. Hier kombinieren die Ärzt*innen das Virostatikum auch oft mit Kortison, um das Risiko für gefährliche Komplikationen wie Seh- oder Hörverlust zu reduzieren.

Schmerztherapie. Der entzündliche Ausschlag verursacht oft unangenehme Wundschmerzen. Diesen begegnet man mit entzündungs- und schmerzlindernden Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Paracetamol. Bei sehr starken Schmerzen kommen auch Opioide zum Zug, beispielsweise Oxycodon-Tabletten oder intravenös verabreichtes Morphin.

Ist der Nerv angegriffen, entwickeln sich zusätzlich neuropathische Schmerzen. Sie reichen von Kribbeln oder Taubheitsgefühl bis zum ausgeprägten Brennen, Bohren oder Stechen. Hier können Wirkstoffe helfen, die auch bei der Post-Zoster-Neuralgie eingesetzt werden, so zum Beispiel Gabapentin, Pregabalin oder auch das Antidepressivum Amitryptilin.

Lokaltherapie. Die lokale Therapie fördert die Abheilung und reduziert das Risiko einer bakteriellen Infektion des Ausschlags. Polihexanid-Gele beispielsweise wirken antiseptisch und helfen, die Verkrustungen zu lösen. Lösungen aus Polihexanid oder Octenidin sind ebenfalls antiseptisch und lindern Schmerzen und Missempfindungen durch ihren kühlenden Effekt. Synthetische Gerbstoffe verringern ebenfalls den Juckreiz und lassen die Läsionen abtrocknen.

Hinweis: Zur lokalen Therapie keine Schüttelmixtur mit Zink verwenden! Diese lindert zwar den Juckreiz, fördert jedoch neuen Untersuchungen zufolge eine bakterielle Infektion der Läsionen. Außerdem lässt sich unter der weißlichen Schicht das Abheilen des Ausschlags nicht gut kontrollieren.

Wenn die Post-Zoster-Neuralgie zubeißt

In etwa 10% der Fälle entwickeln die Betroffenen eine Post-Zoster-Neuralgie. Dabei bleiben die Nervenschmerzen länger als vier Wochen bestehen, obwohl der Hautausschlag längst abgeklungen ist. Manchmal entwickeln sie sich aber auch erst nach einem beschwerdefreien Intervall. Typisch sind Missempfindungen und starke brennende, bohrende oder stechende Schmerzen. Oft ist die Region auch besonders berührungsempfindlich, was beispielsweise das Scheuern von Gürteln oder BH-Trägern unerträglich machen kann.

Die Behandlung der Post-Zoster-Neuralgie ist kompliziert, oft müssen verschiedene Wirkstoffe probiert und kombiniert werden. Etwa 30% der Patient*innen werden auch durch intensive Maßnahmen nicht schmerzfrei. Zum Einsatz kommen

  • Antikonvulsiva (Medikamente gegen Krampfanfälle) wie Gabapentin, Pregabalin
  • Antidepressiva wie Amitryptilin
  • Opioide wie Tramadol oder Morphin
  • Lidocain-Pflaster
  • Pflaster mit Capsaicin
  • als Ersatzmedikamente Carbamazepin oder Duloxetin.

Wenn die Hautempfindlichkeit des betroffenen Dermatoms intakt ist, empfehlen manche Ärzt*innen auch die Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS). Die elektrische Stimulation des betroffenen Gebietes verursacht (gewünschte) Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl, wodurch die Schmerzempfindung selbst verringert wird. Daneben können auch andere Verfahren der physikalischen Therapie, z. B. Kälte- oder Wärmeanwendungen helfen, die Beschwerden der Post-Zoster-Neuralgie abzumildern.

Hinweis: Eine Post-Zoster-Neuralgie kann psychisch sehr belastend sein. In manchen Fällen sind Verhaltens- oder Psychotherapien hilfreich, um besser mit den chronischen Schmerzen umzugehen.

Stärkste Waffe: Impfung

Ein besonders starkes Mittel gegen die Gürtelrose und ihre Komplikationen ist die Zosterimpfung. Es gibt sie mit einem abgeschwächten Virus als Lebendimpfstoff und als Totimpfstoff. Letzterer soll effektiver sein und einen längeren Impfschutz bieten, weshalb dieser von der STIKO vorgezogen wird. Sie empfiehlt die Zosterimpfung mit dem Totimpfstoff

  • allen Personen über 60
  • Menschen ab 50 Jahren, die ein erhöhtes Risiko für Herpes zoster haben (z.B. aufgrund einer immunsuppressiven Therapie oder einer Grunderkrankungen wie Diabetes, COPD, oder rheumatoider Arthritis).

Die Impfung erhöht die zelluläre Immunabwehr und unterstützt dadurch den Körper, die in den Nervenzellen sitzenden Varizellenviren weiter in Schach zu halten.

Für einen vollständigen Schutz sind zwei Impfungen mit einem Abstand von zwei bis sechs Monaten erforderlich. Ob eine Auffrischung nötig ist, wird noch diskutiert. Bis jetzt gehen die Expert*innen davon aus, dass Geimpfte etwa zehn Jahre lang vor einer Gürtelrose bewahrt werden.

Hinweis: Die Zoster-Impfung verträgt sich gut mit anderen Impfungen. Auch eine Covid-19-Impfung ist kein Grund, darauf zu verzichten. Zur Sicherheit empfiehlt die STIKO bei der Zoster-Impfung lediglich, vor und nach der Covid-19-Impfung 14 Tage Abstand einzuhalten.

Quellen: DAZ 2021, Nr. 18, S. 38; RKI